Gründung eines Family Office in der Schweiz: Struktur, Governance und Banking
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Die Schweiz ist eine der weltweit führenden Jurisdiktionen für Family Offices und beheimatet schätzungsweise 3.500–4.000 Family-Office-Strukturen, die zusammen Billionen an Schweizer Franken verwalten. Die Kombination aus politischer Stabilität, Bankeninfrastruktur, Rechtssicherheit und einem tiefen Reservoir an qualifizierten Fachkräften macht die Schweiz zur natürlichen Wahl für Familien, die ihre Vermögensverwaltung professionalisieren möchten. Dieser Leitfaden behandelt die wichtigsten Überlegungen bei der Gründung eines Schweizer Family Office.
Single Family Office (SFO) vs. Multi-Family Office (MFO)
Die erste strukturelle Entscheidung ist, ob ein Single Family Office (SFO) gegründet werden soll, das ausschliesslich einer Familie dient, oder ob man sich einem Multi-Family Office (MFO) anschliesst, das mehrere Familien betreut. Ein SFO bietet die vollständige Kontrolle über die Anlagestrategie, die Governance und die Vertraulichkeit. Es erfordert in der Regel ein verwaltetes Vermögen von CHF 100 Millionen oder mehr, um kosteneffizient zu sein, da die Betriebskosten eines voll besetzten SFO (einschliesslich CEO, CIO, CFO, Compliance und Verwaltung) zwischen CHF 1 und 3 Millionen jährlich liegen können. Ein MFO bietet professionelle Vermögensverwaltungsdienste für mehrere Familien an, wobei die Kosten für Infrastruktur, Compliance und Fachwissen geteilt werden. MFOs eignen sich für Familien mit einem Vermögen von CHF 20–100 Millionen, die eine institutionelle Verwaltung wünschen, ohne die vollen Kosten eines eigenen Büros zu tragen. Für Familien im Bereich von CHF 100–500 Millionen ist ein hybrider Ansatz üblich: ein dediziertes SFO für die Kern-Governance, die Familienkoordination und strategische Entscheidungen, kombiniert mit Partnerschaften mit MFOs oder Privatbanken für die Anlageausführung und spezialisierte Expertise.
Schweizer Gesellschaftsstrukturen für Family Offices
Die gängigsten Rechtsformen für Schweizer Family Offices sind die AG (Aktiengesellschaft) und die GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung). Die AG ist die bevorzugte Struktur für grössere Family Offices. Sie erfordert ein Mindestaktienkapital von CHF 100.000 (davon mindestens 20 %, d. h. CHF 20.000 bei der Gründung eingezahlt), bietet Flexibilität bei der Aktienstruktur (einschliesslich Namen- vs. Inhaberaktien, wobei Inhaberaktien nun die Offenlegung der wirtschaftlich Berechtigten erfordern) und bietet den formalen Governance-Rahmen (Verwaltungsrat, Revisionsstelle), den institutionelle Partner erwarten. Die GmbH erfordert ein Mindestkapital von CHF 20.000 (bei der Gründung voll eingezahlt) und ist einfacher in der Verwaltung. Sie eignet sich für kleinere Family Offices, bei denen die Governance-Anforderungen einer AG nicht notwendig sind. Unabhängig von der Struktur muss eine Schweizer Gesellschaft, die als Family Office fungiert, mindestens einen Verwaltungsrat mit Wohnsitz in der Schweiz haben.
Governance-Anforderungen
Die Governance eines Schweizer Family Office sollte mehrere Schlüsselbereiche abdecken. Die Zusammensetzung des Verwaltungsrats sollte typischerweise eine Mischung aus Familienmitgliedern und unabhängigen Fachleuten umfassen. Die Schweizer Best Practice empfiehlt mindestens einen unabhängigen Verwaltungsrat mit relevanter Finanzexpertise und idealerweise einen mehrheitlich unabhängigen Rat für grössere Offices. Ein Anlageausschuss — getrennt vom Verwaltungsrat — sollte die Anlagepolitik, Risikoparameter, Anlageziele und die Leistungsüberwachung festlegen. Eine Familiencharta oder Verfassung formalisiert die Werte der Familie, Entscheidungsprozesse, Nachfolgeregeln und das Mandat des Office. Compliance- und Berichterstattungsrahmen müssen die Schweizer regulatorischen Anforderungen erfüllen. Regelmässige Berichte an die Familienmitglieder — mindestens quartalsweise — sollten die Anlageperformance, Risikokennzahlen, Gebühren und Governance-Angelegenheiten abdecken. Eine professionelle Revision (gesetzlich oder freiwillig) sorgt für Transparenz und Rechenschaftspflicht.
Bankbeziehungen
Ein Schweizer Family Office unterhält in der Regel Beziehungen zu mehreren Banken. Die Depotbank (Custodian Bank) hält und sichert die Finanzanlagen der Familie. Grosse Schweizer Banken (UBS, Julius Bär, Pictet, Lombard Odier) bieten alle institutionelle Verwahrungsdienstleistungen an, die für Family Offices geeignet sind. Die Ausführungsbanken (Execution Banks) übernehmen den Handel, den Devisenhandel und die Kreditvergabe. Einige Family Offices nutzen eine einzige Bank sowohl für die Verwahrung als auch für die Ausführung; andere bevorzugen es, diese Funktionen zur Risikosteuerung und für wettbewerbsfähige Preise zu trennen. Konten für das Cash-Management bei einer oder mehreren Schweizer Banken dienen den betrieblichen Ausgaben und der kurzfristigen Liquidität. Für Family Offices mit Allokationen in digitale Vermögenswerte bieten krypto-native Banken (SEBA Bank, Sygnum Bank) eine regulierte Verwahr- und Handelsinfrastruktur.
Zug vs. Zürich: Die Wahl Ihres Standorts
Die beiden führenden Standorte für Schweizer Family Offices sind Zürich und Zug, die jeweils spezifische Vorteile bieten. Zürich bietet das grösste Reservoir an Fachkräften (Anlageverwalter, Anwälte, Revisoren, Compliance-Beauftragte), die Nähe zum grössten Finanzplatz der Schweiz, exzellente internationale Konnektivität (Flughafen Zürich) und ein lebendiges Kulturangebot. Zürich hat jedoch höhere Bürokosten und höhere persönliche Steuersätze. Zug bietet deutlich niedrigere Unternehmens- und persönliche Steuersätze, ein florierendes Family-Office-Ökosystem (landesweit an zweiter Stelle nach Genf), exzellente Anbindung (25 Minuten mit dem Zug von Zürich), eine einladende kantonale Verwaltung mit grosser Erfahrung in der Betreuung von Family Offices sowie das Crypto-Valley-Ökosystem für Offices mit Allokationen in digitale Assets. Für viele Family Offices ist ein Firmendomizil in Zug (aus Gründen der Steuereffizienz) die optimale Lösung, während die Teammitglieder in Zürich oder anderen nahe gelegenen Orten leben können.
Regulatorische Überlegungen
Schweizer Family Offices profitieren von einem relativ liberalen regulatorischen Umfeld, müssen jedoch einige Anforderungen beachten. Eine AML-Compliance ist erforderlich, wenn das Office Finanzanlagen verwaltet. Gemäss dem Finanzinstitutsgesetz (FINIG) und dem Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG) benötigen Vermögensverwalter für fremde Vermögenswerte eine FINMA-Bewilligung. Ein reines SFO, das nur das eigene Vermögen der Familie verwaltet, ist von dieser Anforderung jedoch im Allgemeinen befreit. Zu den steuerlichen Verpflichtungen für das Office gehören die Gewinnsteuer, die Kapitalsteuer und die MwSt. (sofern zutreffend). Arbeitgeberpflichten (Sozialversicherungsbeiträge, Pensionskasse, Unfallversicherung) fallen an, wenn das Office Personal in der Schweiz beschäftigt. Eine ordnungsgemässe Strukturierung von Beginn an vermeidet kostspielige regulatorische Komplikationen im Nachhinein.
Zeitplan und Kosten
Die Gründung eines Schweizer Family Office von Grund auf dauert in der Regel 3–6 Monate, vom ersten Strukturdesign bis zur voll funktionsfähigen Einheit. Die wichtigsten Meilensteine umfassen: Strukturdesign und rechtliche Dokumentation (2–4 Wochen), Firmengründung (1–2 Wochen für den Eintrag ins Handelsregister), Bankkontoeröffnung (3–6 Wochen einschliesslich Compliance-Prüfung), Personalrekrutierung oder -platzierung (4–12 Wochen je nach Funktion) sowie IT- und operativer Aufbau (2–4 Wochen). Die Gründungskosten (Anwaltshonorare, Gründung, erste Compliance-Einrichtung) liegen je nach Komplexität typischerweise zwischen CHF 50.000 und 150.000. Die laufenden jährlichen Kosten für ein mittelgrosses SFO (3–5 Mitarbeiter) liegen meist zwischen CHF 1 und 2 Millionen, einschliesslich Gehältern, Bürokosten, Revision, Recht und Compliance. Wir beraten Familien bei der Wahl der optimalen Struktur für ihre Situation und verwalten den gesamten Gründungsprozess, von der Inkorporation bis zur ersten Verwaltungsratssitzung.
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